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Update 16.07.2010: Für einen Moment hätte man meinen können, die da oben habens begriffen. Die Kosten und die Umwelteinflüsse sind der Sargnagel für das Projekt, hieß es aus Kreisen der Landesregierung und des Landtags. Dann doch nicht. Beiseite legen will man die Angelegenheit, aber nicht ganz begraben. So die Zusammenfassung des Vorstoßes von CSU und FDP. Schade, aber passend zum sonstigen Handeln dieser Gruppierungen.
Der Landtagsabgeordnete Gantzer profiliert sich nun schon seit einigen Jahren als Speerspitze als Anführer der Vereinigungen pro Südring. Mit spektakulären Aufzählungen, welche Anlagen und Einrichtungen der münchner Norden bereits ertrage müsste und mit der Bezeichnung "Südstaatler" für die Südgemeinden will er griffige Bilder liefern, die die Haltung pro Südring per se rechtfertigen. Seine Rhetorik erinnert nicht an jene des Abraham Lincoln im Nord-Süd-Konflikt der USA, sondern sie hat eher Züge der koreanischen Nord-Süd-Auseinandersetzung und der dort aktiven Wortführer. Die Landkreisgemeinden täten gut daran, sich nicht von einem Landtagsabgeordneten instrumentalisieren und in eine Fehde drängen zu lassen. Dieses Problem ist speziell ein kommunales. Das können die Gemeinden argumentativ ganz gut unter einander lösen. Dazu brauchen wir keine Landtagsabgeordneten als Wortführer.
Der neueste Clou ist ja, dass der Landrat Niedermeier aus Bad Tölz der Allianz beigetreten ist. Bisher hatte er sich zum Südring nicht geäußert. Das Oberland sei "zu schüchtern" gewesen. Diese Aussage muss man unkommentiert stehen lassen, weil jeder zutreffende Kommentar dazu diplomatische Störungen herbeiführen könnte. Ein bestgehütetes Geheimnis bleibt, wie das Oberland von einer Autobahn profitieren will, die weitgehend ohne Anschlussstelle unter Grünwald und unter Oberhaching verlaufen soll.
Update 18.05.2010: Um es vorweg zu sagen: in Zeiten, da die Milliarde zum kleinsten gemeinsamen Nenner geworden ist und in scheinbar unbegrenzter Anzahl zur Verfügung steht, ist alles „machbar". Es stellt sich jedoch die Frage nach dem Nutzen. Und daran scheiden sich die Geister.
Am 17.05.2010 hat die Autobahndirektion das „Ergebnis" der Machbarkeitsstudie vorgestellt. Zwei Jahre und 500.000 ¤ später ist nun auch statistisch dokumentiert, dass oberirdische Trassen zwar eine verheerende Wirkung auf die Umwelt haben, jedoch billiger sind, als unterirdische, die wiederum nicht so schädlich für die Umwelt wären - man spricht schon vom „Umwelttunnel". Entsprechend hoch kochten bei der Vorstellung der Ergebnisse die Emotionen auf der einen wie auf der anderen Seite auf. Spätestens jetzt lohnt sich noch einmal der Blick auf die Fakten.
Ursprünglich wurde der Südring besonders von den Bürgermeistern der Nord- und Ostgemeinden gefordert mit dem Landtagsabgeordneten Gantzer an der Speerspitze. Ein Südring würde die Verkehrsströme umleiten und das Verkehrsaufkommen dort deutlich reduzieren. Jetzt haben die Autobahnbauer gerechnet und festgestellt, dass pro Tag gerade einmal 7.000 bis 10.000 Fahrzeuge weniger fahren würden, wenn der Südring kommt. Und das bei einem täglichen Aufkommen von über 120.000 Fahrzeugen. „Wahnsinnig enttäuschend" finden das die Südring-Befürworter, inklusive des beauftragten Verkehrsprofessors Kruzac. Wir sagen: das haben wir von Anfang an gewusst, dafür hätten wir keine 500.000 ¤ ausgeben müssen.
Nun ist bekannt, dass der Norden Münchens durch den Südring so gut wie gar nicht entlastet wird. Also wird die Rhetorik angepasst. Wenn der Norden schon belastet sei, so solle es der Süden doch bitte schön auch sein - so etliche Bürgermeister und Bürger aus Nord- und Ostgemeinden. Als „zynisch" wird der Hinweis einiger Südbürgermeister empfunden, die Probleme im Norden und Osten seien hausgemacht. Schließlich könnten die von Lärm und Verkehr geplagten Nord-Ost-Bürger nichts dafür, dass ihre Gemeinden quadratkilometerweise Gewerbegebiete ausgewiesen hätten. Dabei ist bekannt, dass allein die großen Möbelhäuser an der A99 über 10.000 Autos pro Tag anlocken. Und so lange es die Bürger im Norden und Osten Münchens in Kauf nehmen, dass ihre Verbrauchsgebühren durch immense Gewerbesteuereinnahmen quersubventioniert werden, Kindergartenplätze kostenlos und Infrastrukturleistungen auf hohem Niveau zur Verfügung gestellt werden, müssen sie auch den Preis dafür in Form von erhöhtem Verkehrsaufkommen in Kauf nehmen. Ein Südring wird da auch nicht weiter helfen.
Diese Gründe, das Ausmaß der Umweltzerstörung, die immensen Kosten von über einer Milliarde, die oberflächliche und lückenhafte Untersuchung veranlassen die Bürgermeister des Südbündnisses, den Südring weiterhin in jeder Variante abzulehnen. Stattdessen bleibt die Forderung erhalten, lieber mehr Geld in Lärmschutzmaßnahmen zu investieren.
Jetzt ist auch bekannt, dass die Machbarkeitsstudie entgegen der bisherigen Aussage des Innenministeriums und der Autobahndirektion NICHT ergebnisoffen geführt worden ist. Denn in diese Überlegung hätte mit einfließen müssen die Kostennutzenbetrachtung einer Null-Variante. Tatsächlich hat die Autobahndirektion nur die theoretischen acht Varianten mit einander verglichen und daraus die Alternative mit dem besten Kosten-Nutzenverhältnis ausgewählt. Es wurde also das denkbar schlechteste Ergebnis ermittelt, aber das Beste, das wir kennen.
Bürgermeister Sienerth fasste das Thema auf der Pressekonferenz wie folgt zusammen: „Wenn der Autobahn Südring mit dem jetzt bekannten Kosten-Nutzen-Verhältnis gebaut wird, bekommen wir einen „Highway to Hell": to hell mit öffentlichen Geldern, to hell mit der Umwelt und to hell mit der Lebensqualität im Münchner Süden."
Update 26.03.2010: Weiter unten im Downloadbereich finden Sie einen Link der Sie zur Seite des BR führt. Dort können Sie einen Kurzbericht aus den Abendnachrichten anschauen, der die Aktionen der Südbürgermeister, an denen ich mich stellvertretend für Straßlach-Dingharting beteilige, in groben Zügen zusammenfasst.
Am 26.11.2008 besuchten der 1. Bürgermeister Hans Sienerth und der 2. Bürgermeister Peter Schneider die Informationsveranstaltung der Autobahndirektion Südbayern zum Thema "Bundesautobahn A99 Autobahnring München Südabschnitt", kurz "Südring". In einem zweistündigen Vortrag wurde ein Zwischenbericht zur "ergebnisoffenen" Machbarkeitsstudie gegeben.
Der Innenminister Hermann (CSU) hat bekanntlich eine "ergebnisoffene" Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben im Wert von 540.000,00 ¤. Mit der Studie soll geklärt werden, ob und über welche Trasse die Autobahn A 99 zu einem Ring geschlossen werden kann. Gleich mehrere Varianten würden unser Gemeindegebiet mittelbar betreffen, eine Alternative unsere Gemeinde sogar durchkreuzen. Damit wird ein Schreckgespenst , das seit seiner Streichung aus dem Bundesverkehrsplan 2004 scheintot war, wieder zum Leben erweckt. Beeindruckend ist bereits die erste Erkenntnis im ersten Schritt der 1. Planungsphase: es gibt keinen Korridor, der eine oberirdische Trasse erlaubt. Ganz gleich, welche Trasse in Aussicht genommen wird, sie führt stets durch hochsensible Umwelt- und Wohnbereiche, Bannwälder oder FFH-Gebiete mit sehr hohen und äußerst hohen "Raumwiderständen" (Fach-Chinesisch: Bedingungen, die eine Realisierung des Projekts unmöglich machen). Diese überaus überzeugenden Argumente - jedes für sich ein Sargnagel für das Projekt - sollen jedoch durch weitere wissenschaftliche Betrachtungen relativiert werden. Selbst ein nichtbetroffener Betrachter würde an dieser Stelle raten, die weiteren Untersuchungen einzustellen, die von den 540.000 ¤ verbliebenen Mittel einzusparen und das Projekt in seinen weitläufigen Auswirkungen für immer zu begraben.
Die in Aussicht genommenen Tunnellösungen scheinen für eine echte Entlastung des Nord-Süd-Verkehrs nicht geeignet. Professor Kurczak rechnet damit, dass eine stadtnahe Tunnellösung täglich von rund 60.000 Fahrzeugen benutzt wird. Die am meisten von der Stadt entfernte Lösung (Trasse D), welche unser Gemeinde durchschneiden würde, soll täglich allenfalls von maximal 25.000 Fahrzeugen befahren werden. Eine erstaunlich geringe Frequentierung angesichts der Projektkosten für die Trasse D von 600 Millionen bis hin zu 1 Milliarde Euro. Zum Vergleich: durch Straßlach fahren täglich Richtung München und nach Süden rund 10.000 Fahrzeuge. Kurzum, für eine Investition in der genannten Größenordnung wäre die Frequentierung des Südrings durch rund 25.000 Fahrzeuge pro Tag eine ausgesprochen mickrige Ausbeute.
Der 1. Bürgermeister und mit Sicherheit die Mehrheit des Gemeinderats werden wie bisher mit aller Gewalt zusammen mit den übrigen Gemeinden des Südbündnisses, aber auch mit den übrigen Gegnern des Südrings gegen die Planung und das Projekt selbst vorgehen.
Jede Variante, auch jene, die zwischen Grünwald und Straßlach verlaufen würde, ist abzulehnen, weil allein die Nähe der Autobahn einen vernichtenden Einfluss auf den Wert, die Lebens- und die Wohnqualität unserer Gemeinde hätte.
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